Das Stück
"Ich weiß nicht warum ich hier bin. Wirklich nicht."
Franz, ein geschmeidiger junger Mann von 20 Jahren, wirkt etwas verloren im Wohnzimmer des 15 Jahre älteren Leopold Bluhm, der ihn soeben auf der Straße angesprochen hat.
"Spielen Sie gerne irgendwelche Spiele?" Bluhm bringt Franz mit seinen indiskreten Fragen vergnüglich in Verlegenheit und macht ihm offen Komplimente. Bluhms überlegene Gelassenheit imponiert Franz. Er bleibt, lässt sich von Bluhm verführen und versetzt seine Verlobte Anna.
Im zweiten Akt der Liebesgeschichte ist die anfängliche Leidenschaft der ungleichen Männer lähmender Alltagstristesse gewichen. Die Rollen sind verteilt: Franz spielt das unterwürfige Weibchen, Leopold den gestressten und stets abwesenden Geschäftsmann.
Bluhm ist von Franzens bedingungsloser Servilität und körperlicher Hingabe zugleich geschmeichelt und gelangweilt. Seine Replik sind Zurückweisungen und wohl dosierte psychologische Grausamkeiten. Als Franz beinah an Sehnsucht und Einsamkeit zu zerbrechen droht, taucht seine frühere Verlobte Anna auf und versucht ihn aus der selbstzerstörerischen Abhängigkeit zu reißen. Doch dann steht Leopold mit seiner Ex-Frau Vera vor der Tür und führt das Spiel in gewohnt dünkelhafter Manier zu einem bitteren Ende.
Rainer Werner Fassbinder hielt klassische Zweierbeziehungen für "Unterdrückungsstrategien der bestehenden Gesellschaft" und seine frühen Filme "Katzelmacher" und "Liebe ist kälter als der Tod" erzählen von der Liebe nicht optimistischer.
Wenn Macht eine Facette der Begierde ist, ist dann Liebe nur eine Facette der Macht?
TROPFEN AUF HEISSE STEINE erkundet die Abgründe der "klassischen Zweierbeziehung" jenseits der Klischees homoerotischer Bindungen, klug, distanziert und mit einer Brise bissigen Humors.
Der Bundesfilm- und Grimmepreisträger Hans Hirschmüller, der mit Fassbinder viele Jahre zusammen gearbeitet hat und aus Filmen wie "Katzelmacher" und "Händler Der Vier Jahreszeiten" bekannt ist, inszeniert TROPFEN AUF HEISSE STEINE jetzt mit dem Ensemble des NEUEN SCHAUSPIEL ERFURT.
Text: Lena Libertá
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